Ballast abwerfen

Ein jeder von uns hat eine Vergangenheit, die oft zur Hypothek für den gesamten Lebensweg wird und die unser Denken und Handeln prägt. Doch angestaute und unterdrückte Angst und Wut aus Kindheit und Jugend sind im Umgang mit Mitmenschen ein schlechtes Erbe. Zeit, den Ballast abzuwerfen. Das gilt auch für mich.

Ich habe es lange nicht erkannt. Das, was ich als einen leidenschaftlichen Einsatz für die Sache der Gleichberechtigung der Frau hielt, kam ungefiltert aus mir raus. Ich verteidigte vermeintlich mit Leidenschaft die weibliche Position und merkte nicht, dass das nur die Wut auf die Männer war, die glauben, automatischen Führungsanspruch zu haben. Auch Männer haben Anspruch auf Gleichberechtigung und das Recht gehört zu werden. Ich bekam Feedback, dass mein Engagement für die Gleichheit der Geschlechter teilweise sehr eindimensional sei. Lange habe ich das aber nicht wahrgenommen und so weitergemacht. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht braucht es eine gewisse Reife und ein schmerzhaftes Erlebnis, um zu gewissen Erkenntnissen zu erlangen. Dann braucht es außerdem die Größe sich selbst zu verzeihen und die Fähigkeit, sich zu verändern.

Die gute Botschaft: Es ist nie zu spät für Veränderungen. Darüber hinaus sind es manchmal gerade Fehler oder Irrwege, die einen weiterbringen. Das sagte auch mein Vorbild Coco Chanel: „Es sind nicht die Erfolge, sondern die Fiaskos, die uns weiterbringen.“ Also habe ich es angepackt und kann sagen, es war hart. Denn Abgeklärtheit und innere Ausgeglichenheit zu erarbeiten, ist ein langer, langer Prozess. Gut, wenn man einen professionellen Coach oder Mentor an seiner Seite hat, der einen bei einer Transformation begleitet.

Der Weg der Selbstreflexion

Aber es lohnt sich. Am Ende steht die die Erkenntnis: Hinhören ist die schwierigste aber zugleich effizienteste Maßnahme auf dem Weg zur Selbstreflektion. Das führt dazu, dass ein innerer Konflikt aufgedeckt wird, den man bislang – natürlich unbewusst – nach Außen trägt. Vor allem von Führungskräften wird mit Recht erwartet, Emotionen, die die äußere Kommunikation beeinflussen, kanalisieren zu können. Die Voraussetzung dafür ist emotionale Intelligenz und menschliche Größe, denn es tut an manchen Stellen richtig weh. Innere Veränderung ist ein schwieriges Ding. Aber sie wird belohnt, denn auf einmal ändert sich auch die Wahrnehmung deiner Umgebung. Das nennt man Charisma. Führungskräfte mit dieser Ausstrahlung sind Motivatoren. Die braucht es dringend, um die derzeitigen Veränderungen erfolgreich zu stemmen.

Mit Emotionaler Intelligenz aufs nächste Level

Doch bevor es soweit ist, sollte man als erstes Lernen, Feedback und Kritik nicht als persönlichen Angriff, sondern als Denkanstoß anzunehmen. Nicht dass es damit getan ist, Konflikte wird es immer wieder geben, denn keiner kann es allen recht machen. Vor allem emotional vorgebrachte Vorwürfe treffen einen, auch wenn man noch so versucht, souverän zu bleiben.

Wer beleidigt reagiert, kommt nicht weiter.

Das Ziel sollte sein, auf geräuschlose Art Kritiker mit Fakten zu überzeugen. Wenn man das hinkriegt, erntet man automatisch Respekt. Dass kann man lernen, indem man sich seiner eigenen Konflikte bewusst wird und sich seinen inneren Ängsten oder der Wut stellt. Ich kann ihnen aus eigener Erfahrung versprechen, am Ende gilt, Kritik unaufgeregt, rational und smart zu begegnen. Schlicht cool zu bleiben und das Gemeinsame zu finden. Das ist die Königsdisziplin guter Führungskräfte.

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