Loslassen

Vorgesetzte tun sich schwer, Aufgaben abzugeben. Das trifft noch mehr auf Unternehmensgründer, als auf angestellte Führungskräfte zu. Das liegt an der Urangst des Menschen, überflüssig zu sein. Doch das ist nicht so. Ganz im Gegenteil, wie ich mich selbst überzeugen konnte. Darum hier eine Beschreibung meines Selbstversuchs. 

Da mache ich es doch lieber selbst

Wer sich selbstständig macht, muss rechnen. Dabei helfen einem die Banken oder Institutionen wie Gründerzentren – oft auch mit finanzieller Unterstützung. Doch nach der Startphase, wenn man dann nicht schon am Ende ist, wird man allein gelassen. Das Unternehmen läuft halbwegs und irgendwann steht das Start-up vor der Entscheidung, expandieren oder auf sich selbst verlassen und bei einer übersichtlichen Firmengröße bleiben. Als ich die PLU gründete, war ich eine „One Woman“-Show, arbeitete und rechnete meine Aufträge ab und konnte davon leben. Hurra!

Das änderte sich schnell, denn ich hatte offenbar den richtigen Riecher für die gut nachgefragte Dienstleistung einer qualifizierten Unterstützung von Chefs durch kompetente Assistenzen. Das Auftragsvolumen stieg also und allein konnte ich das unmöglich stemmen, darum mussten Mitarbeiter her. 

Ich gebe zu, dadurch das ich Top-Assistenzen vermittelte, wusste ich natürlich, wer top war. Natürlich habe ich mir diese Mitarbeiter (m/w) langfristig gesichert. Und kam mir dabei vor, wie eine Heiratsvermittlerin, die selbst den besten aller Kandidaten ehelicht. Also, das Geschäft brummte nicht, lief aber rund und hielt mich in Atem. Keine Minute blieb ungenutzt, ich funktionierte effizient. Ich war Boss und Sachbearbeiter zugleich.

Ehe ich irgendjemand was erklärt hatte, habe ich es schneller selbst erledigt. Privates wurde zurückgesteckt, denn das Geschäft stand an Nummer 1, begleitet von der ständigen Frage: Kann ich meine Angestellten nächsten Monat zahlen? Und das genau ist die Situation, bei der Hilfe vonnöten wäre. Ob das der Steuerberater ist, der einen fragt: Du rennst zwar, aber lohnt es sich? Oder ein guter Freund oder Therapeut, der wissen will: Wie geht es dir selbst dabei? Arbeitest Du für dich, lebst Du für deine Familie oder für deinen Erfolg?

Also muss eine kritische Bilanz gezogen werden. Das ist anstrengend. Doch am Ende ist das beste Ergebnis zu sagen: Okay, ich muss nicht alles selbst machen. Ich habe ein top Team. Die können vieles und manches besser als ich. Warum hetze ich, wenn ich so eine Truppe habe. 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können viel mehr, als man glaubt.

Doch das umzusetzen bedarf eines Plans: Da war zu einem die Frage: Wie viel Entscheidungsspielraum überlasse ich der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter? Denn wenn er oder sie, ohne zu diskutieren, grundlegende Dinge ändert, kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Die Lösung: Ich habe häppchenweise delegiert. Zunächst eine Aufgabe, dann ein Projekt und ein zweites und drittes. Dabei habe ich die Mitarbeiter begleitet und nicht befehligt. Denn freiheitliches Denken zu unterbinden, ist ein Fehler. 

Wer nicht denken darf, stellt das aus Selbstschutz irgendwann ein.

Ist der Mitarbeiter dank Coaching sattelfest und handelt im Sinne der Firmenmaxime eigenständig, kann sich der Firmenchef wieder auf Dinge konzentrieren, die er gut kann: sein Geschäft weiterzuentwickeln und wieder mehr Zeit mit sich selbst und der Familie verbringen. Ich bin entlastet und dadurch effizient, meine Mitarbeiter und ich gleichermaßen motiviert. Ich kann nach 15 Jahren selbständigkeit sagen, das erst war der Start eines nachhaltigen Unternehmenserfolgs.

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