Die Klischee-Kiste

Frauen sind empathisch, Männer faktenorientiert, heißt es. Doch spätestens seit dem Versuch zur Einschätzung von „Linda“ aufgrund von vorgegebenen Beschreibungen von Garderobe oder Bildungsweg, konnten Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky nachweisen, dass die Menschen sich lieber für die Wahrscheinlichkeit, als für das Vertraute entscheiden. Im Großversuch entschieden sich die Teilnehmer immer für das, was Klischee war – nicht für die Realität.

Frauen sind emotional, Männer nicht. Das starke Geschlecht geht dem Krieg nicht aus dem Weg, Frauen dagegen suchen den Konsens.  Männer sagen Ja oder Nein, Frauen vielleicht. Frauen wollen eine Lösung, Männer die Macht. Der große Griff in die Klischeekiste macht deutlich, wie augenscheinlich und oberflächlich die Charaktereigenschaften der Geschlechter beurteilt werden. Das hängt mit gelernten Mustern zusammen und der Mensch neigt dazu, sich für im Bereich des Bekannten mit Einordnungen wohler zu fühlen, als neutral alle Facetten zu prüfen. Das ist ungefährlich, meint man, und deckt sich mit der allgemeinen Auffassung. Dafür steckt dafür gerne seine Einschätzung in die ein oder andere Schublade. 

Doch ich appelliere hierfür: gebt der Wirklichkeit eine Chance!
Denn die kann sowohl als auch sein. Und das ist gut so. Und was ist daran so schlimm, wenn Frauen anders sind als Männer? Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist erwiesen, dass bei gemischten Teams die Ergebnisse besser sind. Das gilt nicht nur für Mitarbeiter, vor allem sollten es sich die Führungsetagen ins Pflichtenheft schreiben. 

Mitarbeiter sind bei gemischter Führung positiver 

Zum gerade stattgefundenen Weltfrauentag, waren bei dem Thema die Lippenbekenntnisse groß, doch die Realität sieht anders aus. Dabei wäre eine gemischte Truppe wirtschaftlich sinnvoll, belegt eine Studie der Berater Peakon. Diese befragte etwa 60.000 Beschäftigte in 173 Unternehmen. Die Berater wollten wissen, wie sich Unternehmen mit einer besseren weiblichen Vertretung in Führungspositionen, von denen mit einer höheren männlichen Vertretung unterscheiden. „Wir definierten „frauengeführte“ Unternehmen als solche mit mehr als 50 Prozent weiblicher Beteiligung im Management und „männlich geführte“ Unternehmen mit weniger als die Hälfte“, schreibt das Unternehmen die Basis. Dabei sei das geschlechtsspezifische Verhältnis der Führung in den befragten Organisationen unausgewogen, so wie in der Wirklichkeit. In den untersuchten Firmen sind 37 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt, und 84 Prozent haben weniger als 5 Prozent weibliche Führungsanteile, erklärt Peakon die Vorgehensweise.

Das Ergebnis spricht für sich. Ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in Firmen ausgewogen, sind die Mehrheit der Mitarbeiter von einer positiven Entwicklung des Geschäfts überzeugt und identifizieren sich mehr mit den Unternehmenszielen. 

Was Mann/Frau als Chef mitbringen sollte

Welche Charaktermerkmale bei einer Bewerbung in höhere Ränge besonders einzahlen, untersuchte die Norwegian Business School. Die Checkliste ist geschlechterneutral. Menschen, die führen, sollten in aller erster Linie emotional stabil sein, offen für Ideen, kommunikativ und gewissenhaft sein. 

Das trifft auf Frauen ja ganz klar eher zu, als auf Männer. 😉 Stopp! Das meint nur die Masse, die das Wahrscheinliche dem Wirklichen vorzieht – aber wir sind klüger! Darum halten wir uns vor dem Griff in die Klischee-Kiste zurück und packen dafür die Pauschalisierungen in die Mottenkiste.

Kommentar verfassen