Vorstandsfrauen sind immer noch rar

Es geht ja nichts über Statistik. Ist sie repräsentativ, zeigt sie die Wahrheit und nicht die Wahrnehmung. So auch beim Thema Frauen im Vorstand.

EY will es immer genau wissen. Darum überprüft das Beratungsunternehmen regelmäßig die Chefetagen von Deutschlands börsennotierter Unternehmenselite im Hinblick auf die Geschlechterausgewogenheit. Die gute Nachricht voran. In den Sesseln der Vorstandsbüros sitzen mehr Frauen denn je. Doch nun die schlechte Nachricht: Die Studie ermittelte, dass der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagenaller gehandelten Indizes im vergangenen Jahr zwar erneut gestiegen ist, im Ergebnis sprechen wir aber immer noch von einem Anteil unter zehn Prozent. Korrekt sind es 8,6 Prozent. „In den 160 Konzernen arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2019 insgesamt 61 Frauen in den Vorstandsgremien.“ Das ist eine beeindruckende Zahl. Lediglich 61 Frauen, gemessen an der weiblichen Bevölkerung von rund 41 Millionen ein „echter Erfolg“.

Gratulation an die Männer unter den Managern. Denn „im vergangenen Jahr ist allerdings auch die Zahl der männlichen Vorstände gestiegen: um 12 auf 650. In absoluten Zahlen wuchs die Zahl der männlichen also stärker als die Zahl der weiblichen Vorstände. “Und es kommt noch mehr ans Tageslicht. 67 Prozent, so die EY-Zahlen, der Vorstandsgilde sind reine Männerclubs. Immerhin der Anteil an gemischten Teams ist um 6 Prozent geklettert. Darunter gibt es (Applaus, Respekt und Anerkennung für diese Firmen) acht  Vorstandsbesetzungen mit mehr als einer Frau in ihren Reihen. Und, nicht zu glauben: Vier Unternehmen haben eine Vorstandsvorsitzende. Wir wissen das zu schätzen, DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik, MediGene und GrenkeLeasing, dass ihr nach Fähigkeit und nicht aufgrund einer  Frauenquote besetzt.

Frauen haben Perspektiven – das sollte die Wirtschaft nutzen

EY hält der deutschen Wirtschaft mit den ermittelten Zahlen einen Spiegel vor. Sowohl in Hinblick auf den Willen, Frauen gleich zu behandeln, als auch hinsichtlich der Nachteile, die das mit sich bringt. „Frauen sind in deutschen Vorständen immer noch eine Seltenheit“, kommentiert Ulrike Hasbargen, Leiterin des Bereichs People Advisory Services bei EY das Ergebnis. „Die Top-Etagen der meisten deutschen Konzerne bleiben bis auf weiteres in Männerhand. Wir sehen zwar Fortschritte – aber der Wandel vollzieht sich sehr langsam.“ Dann folgt eine erschreckende Berechnung: „Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im letzten Jahr, wird es bis zum Jahr 2034 dauern, bis zumindest ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist.“

Der insgesamt immer noch geringe Frauenanteil in den Top-Etagen der deutschen Wirtschaft könne zu einem Problem für den Standort Deutschland werden, erklärt  Ulrike Hasbargen, Leiterin des Bereichs People Advisory Services bei EY. „Es mag zunächst etwas anstrengender sein, in gemischten Teams zu arbeiten – aber die Reibung, die hier entsteht, die Diskussionen und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen führen eben auch oft zu neuen Lösungen und zu mehr Innovationskraft. Immer noch halten zu viele Unternehmen zu lang am Gewohnten fest.“ 

Recht hat sie!  Und ich bleibe bei den Zahlen: Die wirtschaftlichen Kennziffern deuten darauf hin, dass an unsere Tür mal wieder eine Rezession anklopft. Diese könne wir nur dann schnell überwinden, wenn wir ein gutes Team sind. Gemeinsam ist das Gebot der Stunde.  Denn #ungleichwargestern. Das Mauern der Männer bei der Vorstandsbesetzung ist hier eher kontraproduktiv und dank Initiativen wie z.B. FidAr (Frauen in die Aufsichtsräte). nicht nachhaltig haltbar.