#metoo

Ich empfinde Dankbarkeit für Frauen, die den Mut haben Ungerechtigkeiten auszusprechen oder ihre Meinung klar und deutlich zu äußern. Das macht den Geschlechtsgenossinnen Mut gleiches zu tun. Doch das hat Folgen, die nicht immer nur positiv sind. Bei Männern findet man das nämlich männlich, bei Frauen zickig.

Frauen zahlen für Gerechtigkeit einen hohen Preis

Hollywood steht für großes Kino. Doch das bezieht sich nicht nur auf Blockbuster, sondern auch offensichtlich darauf, dass Männer Frauen immer noch in die Rolle drängen, dass sie ihren Mund zu halten haben, sonst fällt man unangenehm auf und wird von der Karriereleiter geschubst. Doch damit räumt man in letzter Zeit auf und gibt den Frauen ein Forum sich zu äußern. Seit #MeToo dringt in das Bewusstsein der Bevölkerung, dass ja hier wohl was nicht stimmt. Doch das gilt nicht nur für Hollywood. Überall auf der Welt werden Frauen, die klare Kante zeigen, gerne als unbequem empfunden und in die Schublade der Unbequemen eingeordnet.

Sagt eine Frau ihre Meinung (und wenn es nur eine klare Reklamation in einem Restaurant ist), gilt sie als zickig und schwierig. Lösen Frauen mit Meinungsäußerungen sogar eine Debatte auf breiter Front aus, kann das oft bremsend für die berufliche Laufbahn sein. Männer werden übervorsichtig, wenn sie Frauen, die sich offen und in der Öffentlichkeit äußern, in Positionen heben sollen, die die Frauen schon längst verdient haben. Die Schweizer Publikation „Der Bund“ spricht in einem Artikel über die Folgen von #MeToo in der Finanzwirtschaft von Mitte Dezember sogar vom Prozessrisiko Frau und zitiert Karen Elinski, Präsidentin der Financial Women’s Association und Vizepräsidentin der Bank Wells Fargo: „Wir erleben einen deutlichen Rückschlag. Frauen suchen verzweifelt nach Lösungen, weil ihre Karrierechancen spürbar beeinträchtigt werden.“

Von Frauen erwartet man keine klare Kante, sondern diskretes Stillhalten

Wenn wir aber immer dem Klischee der Männer des stillen Mäuschens dienen nutzt das auf lange Sicht niemanden – auch den Männern nicht. Darum muss man (bzw. Frau) dranbleiben und handeln. Also sagen Sie ihre Meinung. Nur so können wir den Gestrigen des starken Geschlechts klar machen, dass Frauen das Recht haben, ihre Position zu reklamieren. Es darf doch gar nicht erst dazu kommen, dass staatliche Regulierungen erforderlich sind.

Eine legislative Maßnahme wie die Frauenquote ist doch echt peinlich – aber nur für die Männer. Wenn es gesetzlichen Druck braucht, um ein wenig Farbe ins Geschlechterbild der Chefetagen zu bringen, stimmt doch was nicht in der Gesellschaft.

Oft folgt auf solche Aktionen ein Aufbäumen der männlichen Macht. Ob es die damalige Bewegung um Alice Schwarzer war oder die nicht nur langsame Reaktion auf die Frauenquote. Wenn Frauen am Zug sind, versuchen Männer dagegen zu halten. Zunächst waschen die männlichen Führungskräfte ihre Hände in Unschuld, suchen die Flucht in Ausreden (leider gibt es nicht genug weibliche Fach-Absolventinnen-Bla-Bla) oder noch schlimmer, im Stillen streichen sie die Frauen von der Beförderungsliste.

Verbesserung mit Verzögerung

Ich übertreibe? Nein, schauen Sie sich doch einfach mal im Alltag um. Bei ganz banalen Dingen, wie z.B. im Restaurant. Beschwert sich ein Frau über das Essen oder den Service, schauen alle hin und der männliche Begleiter schämt sich sichtbar.

Doch das ist doch Quatsch. Es wird höchste Zeit das gleiche Recht bei der Meinungsäußerung als selbstverständlich zu betrachten und nicht erst dann darüber zu reden, wenn publicity-trächtigen Initiativen aufkommen. Das fängt schon damit an, dass wir empfundene Ungerechtigkeiten nicht mehr verschweigen, sondern diskutieren und unsere Ansprüche anmelden. Nicht erst dann, wenn es andere machen.

Jede für sich sollte damit aufhören, lieber nichts sagen.
Jede von uns kann Botschafterin des Prozesses sein und aus Initiativen wie #MeToo ein #WeMake machen.

 

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