Gemeinsam geht – zu gleichen Teilen

Wenn Sie meinen Blog regelmäßig lesen, könnte der Eindruck entstehen, ich würde immer auf die männlichen Kollegen schimpfen. Stimmt nicht. Ich schimpfe nicht, sondern plädiere für die Kombination aus der männlichen und weiblichen Welt. Nur so erreicht man das Optimum. Das geht manchmal auch, wenn sich Paarungen finden, die auch privat zusammen sind. Allerdings nur dann, wenn die Partnerschaft gleichberechtigt ist.

Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender der Sixt SE, und seine Frau Regine, Leiterin des internationalen Marketings, braucht man nicht vorzustellen. Das Ehepaar lenkt seit Jahren erfolgreich den gleichnamigen Autovermieter. Dafür wurden sie in die renommierte „Hall of Fame“ des „Manager Magazins“ aufgenommen.
Mit der Ehrung in der symbolischen Ruhmeshalle belohnt das etablierte Wirtschaftsmagazin jedes Jahr herausragende Persönlichkeiten, die sich für die deutsche Wirtschaft in besonderem Maße verdient gemacht haben.
Das ist der sichtbare Höhepunkt eines Teamworks der besonderen und vor allem seltenen Art. Erich Sixt: „Ohne das unermüdliche Engagement meiner Frau wäre Sixt nicht das, was es heute ist – ein internationaler Mobilitätsdienstleister mit Partnerschaften in der ganzen Welt. Die Auszeichnung des Manager Magazins zeigt mir einmal mehr, wieviel wir als Team erreicht haben und noch erreichen werden.“

Geht doch!

Leider gibt es nur wenige bekannte Beispiele. Eines davon ist meine Freundin Anja Raiser von der SCHOKOLADE Filmproduktion. Wir haben gemeinsam 1993 Abitur in Markgröningen gemacht. Heute ist sie verheiratet mit 2 Kindern und hat mit ihrem Mann ihre eigene Werbe/Content-Produktionsgesellschaft mit inzwischen 30 Mitarbeitern aufgebaut. Sie produzieren Werbespots für die ganzen Großen wie Bosch, Lidl oder L‘Oreal. Das Unternehmen befindet sich unter den Top 30 der deutschen Werbefilmproduktionen (und da gibt es mittlerweile richtig viele).
Anja und Florian sind in ihrer Branche und privat Vorreiter, in Bezug auf Gleichstellung und Vereinbarkeit von Firma und Familie. Alle Aufgaben werden gerecht aufgeteilt. Die zwei sind ein Beispiel für Partnerschaft auf Augenhöhe und „gemeinsam an einem Strang ziehen“. Er ist ein lässiger Typ, sie ist super cool, sexy, weiblich, so ein bisschen „Heidi Klum“ Typ – überzeugt Euch selbst im Video! Damit´s nicht langweilig wird, hat das Power Couple vor kurzem noch das Start-up „Shamanic Cosmetics“ gegründet. Im Interview erfahren Sie mehr!

Männer in Erziehungsurlaub – eher selten

Warum klappt das bei einigen Wenigen und bei der Mehrheit nicht? Ich selbst habe es ja auch nicht hinbekommen mit meinem damaligen Partner und Vater meiner Kinder ein erfolgreiches Berufsleben für mich und gleichzeitig ein harmonisches Familienleben zu balancieren. Ich glaube so etwas funktioniert nur, wenn beide Partner sich als Team verstehen, wie Erich Sixt es aus Anlass der Hall-of-Fame-Verleihung richtig formuliert. Bedingung ist dabei, dass man auf Augenhöhe miteinander agiert. Das gilt nicht nur für das Privatleben oder für die Selbstständigen, sondern auch im Angestelltenbereich.

Im Fall von Ehepaaren war es meist der weibliche Teil, der seine Karriere zugunsten der Kinder zurückstellt. Dabei schaffte der Gesetzgeber hinlänglich Möglichkeiten, indem Vater wie Mutter gleichermaßen einen Erziehungsurlaub nehmen können und die Teilzeit als Arbeitszeitmodell zur Auswahl steht.

Die Mehrheit der Frauen arbeiten in Teilzeitjobs

Doch was schöne politische Theorie ist, ist im Alltagsgrau der Wirtschaft noch nicht selbstverständlich. Nach wie vor ist es eher der Ausnahmefall, wenn der Mann in die Elternzeit geht oder einen Teilzeitjob anstrebt. Das belegen auch Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung, die sagt, dass immer noch die Mehrheit der Frauen in Teilzeitjobs arbeiten. Der, der die besten Chancen auf Karriere hat, bleibt im Beruf. Und das ist in den meisten Fällen der Mann. Es wird höchste Zeit, dass wir uns hier emanzipieren. Denn alles andere ist doch sehr antiquiert. Und wer will heutzutage als altmodisch gelten? Ganz bestimmt nicht Unternehmen, denn das würde ihre (vor allem weibliche) Klientel nicht goutieren.

 

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