Das Irren der Männer

Vor fast hundert Jahren fanden die ersten Wahlen in Deutschland statt, bei denen Frauen selbstständig ihre Stimme abgeben durften. Das verdankt die heutige weibliche Generation engagierten Frauen, die das Wahlrecht für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen unter vielen Opfern erkämpft haben. Doch seitdem kämpft sie immer noch. Mindestens um die Gleichberechtigung im Beruf.

Auf der zweiten Führungsebene waren 40 Prozent weiblich, 26 Prozent der Chefposten in der Privatwirtschaft waren 2016 in Deutschland von Frauen besetzt. Das ergab eine Befragung durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Langsam geht den männlichen Zeitgenossen in den Führungspositionen allerdings die Argumente aus, um die Präsenz der Frauen zu verhindern.

Immer mehr Frauen als Männer studieren und immer mehr Frauen machen ihren Abschluss in MINT-Fächern (also: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Das beraubt die männlichen Schlüsselbewahrer der Chefetagen um eine bislang gern genommene Ausrede, dass man sich ja mehr weibliche Führungskräfte wünsche, diese aber nicht die notwendigen Qualifikationen aufweisen könnten. Beispiel Autoindustrie: Ist ihnen aufgefallen, dass keine einzige Frau Entwicklungsvorstand eines Herstellers ist? Wenn überhaupt, vertreten sie die Themen Personal oder Recht und Integrität. Der Rest sind Lippenbekenntnisse.

Die Männer und Frauen der Z Generation ticken anders

Doch wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Und daran sind ausgerechnet die Männer der Generation Z nicht unschuldig: Warum das so ist?  Viele Frauen und genauso Männer haben die Nase voll davon, eine Führungsposition anzustreben. Sie möchten sich nicht mehr abrackern. Sie haben keine Lust mehr, sich im Büro „den Hintern platt zu sitzen“. Sie wollen Spaß im Job, aber genauso viel Privatleben und (hört, hört!) möglicherweise Kinder großziehen – auch die Väter. Das ist nicht mehr mit dem vereinbar, was sich die jetzt noch amtierende Generation an Arbeitgebern unter Leistung (nämlich weit über die 40 Stunden Woche hinaus im Büro arbeiten) vorstellen.

Und die Mitarbeiter sind den Vorstellungen gefolgt. Sie waren ständig erreichbar. Vor allem die Frauen. Sie haben immer mehr Aufgaben erfüllt (meist mehr als die männlichen Kollegen, gegen geringeren Lohn), ihr Privatleben hintenangestellt haben, während die Männer ihr Netzwerk gepflegt, sich besser verkaufen konnten. Das Ergebnis war oft, dass die Männer an ihnen an der Karriereleiter vorbeizogen.

Zufriedenheit ist die neue Arbeitserotik

Wenn aber künftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber am Ende des Tages gewinnen wollen, muss das neue Denken der Generation Z respektiert, das Bild von beruflicher Leistung neu definiert werden. Dazu gehört auch, dass wir uns von der Vorstellung verabschieden sollten, dass sich fähige Führungskräfte durch Luxus-gelabelte Outfits, gestylte Lebensläufe und Haifischbecken-Methoden auszeichnen. Das sagt (und sagte schon immer) gar nichts darüber aus, ob die oder der die Aufgaben erfolgreich ausfüllen kann. Die Klugen unter der nachstrebenden Generation überlegen, wie sie in möglichst kurzer Zeit ihre Aufgaben erledigen können.

Am Ende zählt das. Und, wen wundert’s: Das Lösen von alten Statussymbolen und die Toleranz, Mitarbeiter machen zu lassen, schlägt sich im geschäftlichen Erfolg nieder. Als hören wir doch auf, uns an Kriterien wie Überstunden und Statussymbolen als mögliche Führungskompetenz entlang zu hangeln und denken darüber nach, was für die Jungen „Führungsaufgaben“ sexy und attraktiv macht und sie dadurch zu Spitzenleistungen animiert. Das bedeutet eine neue Ausrichtung, die Mitarbeiter nicht nach Arbeitsplatzpräsenz und Outfit zu bewerten, sondern sie an ihrem intelligenten Erleben, in  weniger Zeit die Aufgaben gut zu erledigen, zu messen.

Das braucht es, um Talente für ihr Unternehmen zu gewinnen. Und eine Erkenntnis müssen Sie dabei vorne anstellen: always on ist auf jeden Fall so etwas von always out.

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