Unabhängkeit macht stolz!

In der Gesellschaft ist man dann beliebt, wenn man Normen entspricht. Gern gesehen ist es – vor allem in meiner Generation -, wenn man die liebevolle (und bitte möglichst geräuschlose), im Hintergrund agierende Partnerin mimt. Nach außen hin wird man beneidet. Die Leute in deiner Umgebung sagen, was hat sie doch für eine gute Partie gemacht oder den tollen Job ergattert. Wichtiger ist es aber, ob man selbst damit zufrieden ist.

In Wahrheit sind Sie stark

Sogar heutzutage trifft man diese Konstellation sowohl im Privaten (bei Eheleuten) als auch im beruflichen (zwischen Chefs und Assistenzen) an. Nach dem Motto „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“. Der Spruch macht mich echt wütend! Warum soll ich denn einem anscheinend erfolgreichen Mann als Rückendeckung dienen? Ist der Mann denn selbst nicht stark genug? Und, wenn ich seine Stärke bin, warum versuche ich nicht, aus dem Schatten des Herrn herauszutreten? Sind die Zeiten nicht vorbei, wo die Assistentin still und leise alles so managt, dass ihr Chef glänzend dasteht? Oder die Gattin, die bei den gesellschaftlichen Anlässen den repräsentativen Hintergrund liefert? Ich hoffe doch. Jede Frau, die stark ist, sollte versuchen, für sich selbst zu handeln und sich auf den eigenen Weg zu machen. Das ist ein hartes Stück Arbeit, aber es lohnt. Es beginnt damit, dass man lernt, NEIN zu sagen, egal ob dienstlich oder privat. Das ist die Grundvoraussetzung, um für sich selbst und eigenverantwortlich zu handeln. In Schweden wird das sogar gesetzlich für den privaten Bereich festgeschrieben. Dort heißt es, man muss ausdrücklich Ja sagen, sonst gilt das nicht als Zustimmung. So weit sind wir leider noch nicht.

Sagen Sie nein

Das Nein sagen können, macht viele Männer (ob Chefs oder Gatten) nervös. Denn es zeigt, dass ihr als starke Frau euch selbst reicht.  Das macht euch nicht beliebt, vor allem bei den männlichen Kollegen, die im Mittelmaß stecken bleiben und plötzlich von einer sprintstarken Frau überholt werden könnten. Euer Leitfaden dafür könnte der Ausspruch von Konrad Adenauer sein: Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich. Die anderen können mich.

Doch immer mehr Frauen entscheiden sich  – vor allem beruflich – für die Unabhängigkeit, sagt eine Studie der Zeitschrift „Brigitte“ aus dem Jahr 2017: „Egal ,ob es um die Übernahme von Verantwortung geht oder um die berufliche Weiterentwicklung, ums explizite „Karrieremachen“ oder die Bedeutung von Job und Bildung — in ihren beruflichen Ambitionen ziehen die Frauen heute ganz klar mit den Männern gleich. Auch was die konkrete Bedeutung von Arbeit angeht, gibt es kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zwar finden es Frauen wichtiger als Männer, im Beruf mit Menschen in Kontakt zu kommen. Doch für beide ist ihre Berufstätigkeit vor allem gleichbedeutend mit finanzieller Flexibilität — und mit der Verrichtung einer sinnvollen Tätigkeit.“

Großartig. Das wird sicher dazu führen, dass mehr Frauen sich trauen, nach vorne zu sprinten und so manchen Mann, der jetzt schon schwächer ist, hinter sich lassen.  Das wird auch Zeit, denn die Realität ist noch eine andere. Nach Erhebungen der Europäischen Union verdienen Frauen in Deutschland 22 Prozent beim durchschnittlichen Stundenlohn weniger als die Männer. Das ist Platz 26 von 28 EU-Ländern. Das muss anders werden.

Also ihr Frauen, die bislang nur still im Hintergrund reagiert habt, geht an den Start, auch wenn das Kraft kostet. Doch die zieht ihr aus eurer inneren Unabhängigkeit. Es sei denn, ihr wollt es bequem. Das kann ich jedoch nicht glauben. Ich kann euch nur den Rat weitergeben, den der große Ralph Waldo Emerson einst gab: „Ich brauche nur das zu tun, was ich will, und nicht, was die anderen von mir erwarten. In der Gemeinschaft ist es leicht, nach fremden Vorstellungen zu leben. In der Einsamkeit ist es leicht, nach eigenen Vorstellungen zu leben – aber bewundernswert ist nur der, der sich in der Gemeinschaft die Unabhängigkeit bewahrt.“

Kommentar verfassen